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Zukunftsweisende Energiekonzepte im gemeinnützigen Wohnbau

07.11.16  

Innovative Lösungen zur alternativen Energieversorgung standen bei der Fachtagung der GBV Landesgruppe Salzburg zum Thema „Energiezukunft im gemeinnützigen Wohnbau“ am Montag, 7. November 2016 im Mittelpunkt.

Als Referenten konnten Energie-Landesrat Dipl.-Ing. Dr. Josef Schwaiger, FH-Dozent Dr. Wolfgang Amann (Geschäftsführer des Instituts für Immobilien Bauen und Wohnen) sowie Salzburg AG Vorstand Ing. Mag. Horst Ebner gewonnen werden.

 

Stromerzeugung BIZ - Geschäftsmodelle dezentraler Stromversorgung und Distribution

Ein Knackpunkt bei der Umsetzung der Energiewende sind Geschäftsmodelle zur Vor-Ort-Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom. Wenn die Entwicklung von Modellen gelingt, am Gebäude erzeugten Strom direkt den Mietern, Bestandsnehmer und Wohnungseigentümer zur Verfügung zu stellen, sind derartige Anlagen auch ohne Ökostrom-Einspeistarife wirtschaftlich darstellbar.

FH-Dozent Dr. Wolfgang Amann erläutert das Forschungsprojekt „StromBIZ“, im Rahmen dessen anhand von mehreren Demonstrations-PV-Anlagen auf Wohn- und Nichtwohngebäuden neue Geschäftsmodelle der dezentralen Stromerzeugung und Distribution entwickelt, implementiert und getestet wurden. Das Projekt hatte die Erarbeitung konkreter Geschäftsmodelle zur wirtschaftlich sinnvollen, technisch möglichen und rechtlich zulässigen Vor-Ort-Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom zum Ziel.
Vergleichsweise geringe Barrieren bestehen hinsichtlich der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit. Demgegenüber zeigen sich gleichermaßen bei der energie- und wohnrechtlichen Machbarkeit bei den meisten der geprüften Modelle massive Barrieren. Gemeinschaftsanlagen bewirken in vielen Konstellationen, dass der Bauherr zum Stromerzeuger und -lieferanten wird. Auch andere energierechtliche Regelungen (freie Lieferantenwahl, zwingend eigener Zählpunkt pro Wohnung) erschweren die Umsetzung. Wohnrechtlich sind noch zahlreiche Aspekte der praktischen Umsetzung von PV-Gemeinschaftsanlagen unzureichend klargestellt.

Pauschale Nutzungsverträge, wie sie in Studenten- oder Seniorenheimen üblich sind, ermöglichen die effiziente Umsetzung von PV-Gemeinschaftsanlagen, allerdings ist die Anwendung auf ein kleines Segment des großvolumigen Wohnbaus beschränkt. Beim Modell „Kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe der PV-Erträge an Haushalte" wurde auf die aktuelle Diskussion einer ElWOG-Novelle aufgesetzt und eine kostenoptimale Auslegung ausgearbeitet. Innerhalb einer Kundenanlage ordnet der Netzbetreiber Erträge aus einer PV-Gemeinschaftsanlage bilanziell den einzelnen Haushalten zu. Dafür sind unterschiedliche Verteilungsschlüssel möglich. Das Modell wäre mit moderaten energierechtlichen Änderungen machbar. Wohnrechtlich ist aber weiterhin Klärungsbedarf gegeben. Die mit diesem Modell einhergehenden Möglichkeiten werden als Voraussetzung für ein österreichweites Ausrollen von dezentral erzeugtem PV-Strom aufgefasst.

Von großer Bedeutung sind derart geänderte energierechtliche Rahmenbedingungen auch im geförderten Wohnbau. Es sind förderungsrechtliche Änderungen absehbar, die Anreize für die Errichtung von PV-Anlagen und ihre Finanzierung im Rahmen der Baukosten schaffen (Umstellung vom Heizwärmebedarf auf die Gesamtenergieeffizienz bei den Mindestanforderungen für eine Förderung). Dies macht dann besonders viel Sinn, wenn durch die Belieferung der Haushalte mit dem in der hauseigenen PV-Anlage erzeugte Strom deren Energiekosten spürbar reduziert werden können.

Es konnte im Zuge dieses Forschungsprojektes nachgewiesen werden, dass bei entsprechenden Rahmenbedingungen die dezentrale PV-Stromerzeugung auch bei einem Auslaufen der geförderten Einspeisetarife und trotz der in Österreich niedrigen Strompreise wirtschaftlich darstellbar ist. Es besteht allerdings dringender Reformbedarf beim ElWOG, um die sehr großen Potenziale der Vor-Ort-Nutzung von PV-Strom nutzen zu können.

Entwicklung der Energiewirtschaft in einer sich ändernden Stromwelt

„Wir befinden uns jetzt in der größten technologischen Veränderung seit der flächendeckenden Versorgung mit Elektrizität. Die Stromwelt verändert sich - ob mit uns oder ohne uns“, erklärt Ing. Mag. Horst Ebner, Vorstand der Salzburg AG und setzt fort: „Mit unserem einzigartigen Portfolio von Energie, Mobilität und Kommunikation gilt es jetzt sich für unsere Kunden noch besser zu vernetzen und eine Salzburg AG Produktwelt anzubieten. Alles aus einer Hand und Full-Service für unsere Kunden.“

 

„Masterplan Klima + Energie 2020“

Mit dem Masterplan Klima und Energie 2020 will das Land Salzburg bis ins Jahr 2020 die Treibhausgase um bis zu 30 Prozent reduzieren und den Anteil an erneuerbarer Energie am Gesamtverbrauch auf 50 Prozent erhöhen. Landesrat Dipl. Ing. Dr. Josef Schwaiger bekräftigt: „Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind sowohl öffentliche Einrichtungen wie auch Private und die gewerbliche Wirtschaft gefordert und wir müssen alle Energietechnologien dafür nutzen. Ich freue mich, dass erneuerbare Energieträger und Energieeffizienz auch bei den gemeinnützigen Wohnbauträgern ein großes Thema sind. Mir ist aber auch wichtig, dass bei Sanierung und Neubau erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen sinnvoll, effizient und mit Hausverstand eingesetzt werden. Um die Akzeptanz zu erhöhen muss jedenfalls die Summe der Einsparung größer sein, als jene des Aufwandes.“

 

Salzburgs Gemeinnützige sind Vorreiter im Bereich innovativer Energiesysteme

Schon seit Jahren werden die meisten neuen Bauvorhaben der Salzburger Gemeinnützigen mit Solartechnik und nach dem Niedrigstenergiehausstandard realisiert. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen Salzburgs – gswb, Salzburg Wohnbau, Heimat Österreich, „die salzburg“, Bergland und Eigenheim St. Johann – setzen seit den 1990er Jahren konsequent auf erneuerbare Energie und haben auf den Dächern ihrer verwalteten Wohnhäuser Kollektorflächen im Gesamtausmaß von inzwischen mehr als 30.000 Quadratmeter errichtet. Damit sind die Salzburger Gemeinnützigen die größten Betreiber von Solaranlagen im Land Salzburg.

GBV-Obmann Dir. Dr. Christian Wintersteller: „Unsere Bauten weisen eine hohe Wohnqualität aus, sie sind auf Beständigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Erneuerbare Energiequellen wie thermische Solarenergie, Photovoltaik oder Biomasse sind heute schon State-of-the-Art bei unseren Bauprojekten. Mit innovativen Energiekonzepten und hocheffizienten ökologischen Bauten reduzieren wir für unsere Kunden Heiz- und Warmwasserkosten und leisten zudem einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele.“

 

Saubere Energie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet

Direktor Markus Sturm, stellvertretender GBV-Obmann: „Die Techniker der Gemeinnützigen Salzburgs arbeiten mit Hochdruck an der Weiterentwicklung und weiteren Effizienzsteigerungen alternativer Energiesysteme. Die GBV-Mitgliedsunternehmen haben im Land Salzburg im Bereich erneuerbarer Energie eine Vorreiterrolle eingenommen und wurden dafür wiederholt mit Umwelt- und Energieeffizienzpreisen sowie projektweise mit der klima:aktiv-Plakette ausgezeichnet.“

 

Energietechnische Musterbeispiele der gemeinnützigen Bauvereinigungen Salzburgs

gswb: 45 % weniger Energieverbrauch im SWH Taxham dank Generalsanierung

Als Paradebeispiel einer gelungenen und nachhaltigen Generalsanierung gilt das Seniorenwohnhaus  Taxham in der Stadt Salzburg. Die gswb als Baurechtsnehmer setzte hier auf ein Zusammenspiel von  ganzheitlichen Sanierung, wie etwa die komplette Abdichtung der Gebäudehülle, und innovativem Energiekonzept. Weiters wurde im Zuge der Sanierung die Warmwasserbereitung auf ein dezentrales System umgestellt und die Gebäude ans Fernwärmenetz angeschlossen. Auch die Stromkosten werden deutlich reduziert: Eine Photovoltaikanlage liefert den Großteil der täglich benötigten elektrischen Energie für die Küche samt Lebensmittelkühlung, die gesamte Sicherheitsbeleuchtung und die Haustechnik. Zu Spitzenzeiten produzierte, überschüssige Energie wird ins Netz der Salzburg AG eingespeist.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Mussten für die Raumheizung und Warmwasseraufbereitung mit Erdgas im alten Seniorenwohnhaus noch fast 1,9 Millionen Kilowattstunden an Energie aufgewendet werden, waren es dank der Generalsanierung und der Umstellung auf Fernwärme in der vergangenen Heizsaison nur mehr knapp 940.000 Kilowattstunden. Die Energieeinsparung entspricht mehr als 450.000 Kilogramm vermiedenem Kohlendioxid.

Neben dem ökologischen Aspekt ergibt sich in Folge auch ein finanzieller Nutzen. Dir. Dr. Bernhard Kopf, technischer Geschäftsführer der gswb, evaluiert die energetischen Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen: „Der Vergleich mit den Vorjahren hat gezeigt, dass sich das von der gswb entwickelte innovative Energiekonzept bereits nach dem ersten Winter für die Stadt Salzburg in barer Münze positiv auswirkt. Gegenüber den Vorjahren beträgt die Einsparung an Energiekosten rund 100.000 Euro bzw. ist der Energieverbrauch um rund 45 % gesunken."

 

Salzburg Wohnbau setzt auf Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik

Die Salzburg Wohnbau ist Vorreiter im Einsatz von Wärmepumpen-Photovoltaik-Kombinationen im gemeinnützigen Wohnbau im Bundesland Salzburg.

Erst seit der Umstellung der Wohnbauförderung im April 2015 ist der Einsatz von Heizungen mit Wärmepumpen im Geschosswohnbau interessant. Diese Energieform ist besonders umweltfreundlich, da sie keine Luftverunreinigung vor Ort verursacht und als kostenoptimale Lösung mit geringen Wartungskosten gilt. Wird die Wärmepumpe mit Photovoltaik-Anlagen als Teil eines Smart Grids kombiniert, kann der vor Ort erzeugte Solarstrom direkt in der Wohnanlage verbraucht werden. Als Herausforderung beim Einsatz von Wärmepumpen sehen die Techniker die Schallthematik oder Probleme mit dem Wasserrecht, zudem ist eine integrative Planung erforderlich. Intelligente Steuerungen sollten ebenfalls zur Optimierung und zum Monitoring eingesetzt werden.

Als gelungenes Praxisbeispiel einer Wärmepumpen-PV-Kombination kann das Vötterlgut in Anif genannt werden. Auf einem rund 7000 m² großen Areal entstanden insgesamt 35 Miet-, Mietkauf- und Eigentumswohnungen sowie vier Reihenhäuser samt Tiefgarage. Anif ist eine e5-Gemeinde und stellt damit den effizienten Energieeinsatz und die Nutzung erneuerbarer Energieträger in den Vordergrund. Dementsprechend wurden die Gebäude in umweltfreundlicher Niedrigenergiebauweise errichtet. Für eine nachhaltige Energieversorgung wird hier bivalent Wärme erzeugt mittels einer Wasser-Wasser Wärmepumpe in Kombination mit einer Gastherme (Backup) sowie einer ca. 36,8 kWpeak Photovoltaik-Anlage. Dasselbe Konzept für bivalente Wärmeerzeugung fährt Salzburg Wohnbau auch bei der Wohnanlage „Wohnen am Ufer“  in Oberndorf. Im Kommunalbau in St. Michael hingegen, wird für das Gebäude der Feuerwehr und des Roten Kreuz auf monovalente Wärmeerzeugung mittels Luft-Wasser Wärmepumpe gesetzt.

Als Zukunftsthemen sieht Salzburg Wohnbau den vermehrten Einsatz von Wärmepumpensystemen ohne Backup, die Erhöhung der Eigenverbrauchsquoten durch Einsatz von dezentralen Stromspeicher. Durch Beteiligung an nationalen Forschungsprojekten wird eine Steigerung der Effizienz und Verbesserung der Steuerungsmöglichkeiten angestrebt, ebenso die Mitversorgung der Haushalte mit PV-Strom nach der EIWOG-Änderung (Elektrizitätswirtschafts- und –organisationsgesetz).

 

`die salzburg´ realisiert Hybridbau

Der gemeinnützige Bauträger ‚die salzburg‘ startet mit einem Forschungsprojekt in der Marktgemeinde Kuchl in Kooperation mit der Fachhochschule Salzburg, der WKS und pro:Holz. Als Ausgangslage der Forschung dienen drei gleiche Baukörper mit jeweils zehn Wohnungen in unterschiedlichen Konstruktionsarten. Haus A und Haus B werden als konventioneller Massivbau bzw. Holzmassivbau errichtet und mit Fernwärme und Photovoltaik energietechnisch versorgt. Haus C hingegen wird als Holz-Hybridbau mit Bauteilaktivierung errichtet und bekommt eine Grundwasserwärmepumpe plus Solar.

Im Zuge des Forschungsprojekts werden die Wohnungen mit Messgeräten für Temperatur, Luftfeuchte und CO2-Werte ausgestattet, um einen Vergleich der Gebäude und des Nutzerverhaltens untereinander aufzeigen zu können. Gemeinsam mit den Forschungspartnern werden die so generierten Daten ausgewertet und analysiert, um einen aufschlussreichen Vergleich von nicht bauteilaktivierten Gebäuden mit dem aktivierten Gebäude ziehen zu können. Erklärtes Projektziel ist der dokumentierte Vergleich unterschiedlicher Konstruktionsarten auf das Nutzerverhalten, die Kostenentwicklung und Optimierungspotenziale.

 

Zero Carbon Village von Heimat Österreich

Ein Gebäude mit einem negativen „global warming potential“ zu errichten – also mehr CO2 stofflich im Gebäude einzuspeichern als zum Bau (Herstellung der Baustoffe, Betrieb, Rückbau etc.) emittiert wird – stellt an sich schon eine große Herausforderung dar. Dies aber im Rahmen der üblichen Fördermittel der Salzburger Wohnbauförderung zu bewerkstelligen, schien nahezu unmöglich. Die Heimat Österreich schaffte es, diese Idee durch das ZERO CARBON BUILDING Realität werden zu lassen und schreibt damit ein vollkommen neues Kapitel in Sachen Klimaschutz und umweltbewusstes Bauen. Heimat Österreich-Geschäftsführer Dir. Ing. Stephan Gröger erläutert das Prinzip des Zero Carbon Buildings. „In der Wohnbauförderung sind dicke Mauern mit Styropordämmungen vorgesehen. Wir mussten jedoch die Vorgaben mit anderer Bauweise und alternativen Materialien schaffen. Das ganze Gebäude ist in Hybridbauweise errichtet. Wir haben im Stiegenhaus Beton und verwenden eine Betonkernaktivierung für die Heizung“, so Gröger.

Für den Innenausbau wurde neben Holz auch  gepresstes Stroh verwendet – ein Abfallprodukt, welches für eine gute Raumakustik sorgt. Da die Betonteile mit den ökologischen Materialien weder vermischt noch verklebt wurden, lassen sie sich beim Rückbau nach dem Cradle to Cradle Prinzip leicht trennen. Der Architekt dieses zukunftsweisenden Wohngebäudes, Mag. Georg Scheicher, erklärt: „Für eine Tonne Beton braucht man eine Tonne Holz zur Kompensation. Wir haben bei diesem Gebäude eine CO2-Rückhaltung von 220 Tonnen erreicht.  Bei einer hoch gerechneten jährlichen CO2-Emission aus dem Energieverbrauch für Elektrizität, Warmwasser, Heizung und Lüftung steht dem eine jährliche CO2-Emission von 1,056 Tonnen gegenüber. Das bedeutet, dass das Haus über seinen gesamten Lebenszyklus CO2-neutral ist.“

Für die Heizung wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die Strom für eine Wärmepumpe liefert, welche sich den größten Teil der Wärme aus der Abluft holt. Das mit den Wärmepumpen erzeugte Warmwasser wird den Beton-Wärmespeicherelementen zur Heizung sowie dem Brauchwasser zugeführt. Dadurch fallen geringere Betriebskosten und für das Klima niedrigere Kohlenstoffdioxid-Emissionen an. Ein Monitoringsystem der Energy Control Austria registriert die Verbräuche, um Fehlerquellen identifizieren und Nutzungsparameter optimieren zu können. Dadurch werden die in der Energiebilanz prognostizierten Heizkosten sogar noch unterschritten.

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